Dem aufmerksamen Betrachter wird es nicht entgangen sein, dass unser Kirchturm lange eingerüstet war und die Bauarbeiten eine geraume Zeit geruht haben. Über diesen für den Kirchenvorstand (KV) und die Kirchengemeinde unglücklichen Zustand möchten wir an dieser Stelle informieren.
Sanierungsarbeiten an historischen Gebäuden sind komplex. Unterschiedliche behördliche Zuständigkeiten führen dabei oft zu einer schwierigen Gemengelage – ein Schicksal, das auch unseren Turm ereilt hat.
Vor fast 40 Jahren erhielt der Turm zuletzt einen neuen Putz, an dem sich bereits nach 10 Jahren erste Schäden zeigten. Drei Gutachten aus den Jahren 2015-2018 ergaben, dass eine reine Fassadenreinigung nur von kurzer Dauer sein würde. Die letzten beiden empfahlen daher zusätzlich ein Anstrich.
Dank einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Gemeinde, KV mit dem Projektbeauftragten Stefan Heitmann sowie dank zahlreicher Spenden, Fördermittel und Eigenmittel konnte die Finanzierung dieser Maßnahmen im Juli 2025 gesichert werden. Im August 2025 begannen die Arbeiten mit der Einrüstung des Turms. In die Begleitung der Baumaßnahmen und die Abstimmung der verschiedenen Gewerke hat der KV viel Zeit und Aufmerksamkeit investiert.
Nach den Reinigungs- und Ausbesserungsarbeiten hatten KV, ausführende Handwerker und Fachfirmen den Eindruck, dass der Putz im Wesentlichen intakt sei. Mit den beauftragten Handwerkern war der KV der Auffassung, dass die nun gereinigte sowie in Teilen ausgebesserte Turmfassade in einem nächsten Schritt zu desinfizieren sei und anschließend mit einem sogenannten Silikatanstrich versehen werden sollte. Damit wäre der Turm für die kommenden Jahre gut geschützt gewesen, und die Kosten hätten deutlich unter dem budgetierten Rahmen gelegen.
Das für unsere Kirche zuständige Amt für Bau- und Kunstpflege Verden (ABK) lehnte den schützenden Anstrich nun überraschenderweise ab und gab stattdessen ein neues Gutachten in Auftrag. Das führte dann dazu, dass die Arbeiten am Turm seitdem ruhen.
Das neue Gutachten kommt nun zu dem Schluss, dass der bestehende Putz komplett abzuschlagen ist und durch einen neuen Putz nach historischen Vorgaben ersetzt werden muss. Dafür sind zunächst Recherchen von unbekannter Dauer in den Akten des Landesarchivs in Stade erforderlich. Aufträge wären anschließend neu zu erteilen. Eine Finanzierung für den erheblich größeren Umfang muss ebenfalls neu gesichert werden, ein schützender Anstrich fehlt.
Für den KV ist diese Situation natürlich mehr als ein Ärgernis: Gutachten wurden beauftragt, Gelder wurden eingeworben. Das jüngste Gutachten besagt im Grunde, dass die bisher ausgeführten Arbeiten falsch waren. Letztendlich bedeutet dies ja, dass der gerade erst gereinigte Putz im nächsten Bauabschnitt komplett abgeschlagen werden muss. Die gutachterlichen Verzögerungen führten leider auch dazu, dass das Gerüst länger am Turm stand als geplant und nicht notwenige Kosten verursachte.
Es fiel dem KV nicht leicht, diese neue Situation zu erfassen. Auch der Öffentlichkeit und den großzügigen Spendern ist sie nur schwer vermittelbar.
Angesichts der Entwicklungen hat der Kirchenvorstand nun schweren Herzens dem Abbau des Gerüstes zugestimmt. Das Amt für Bau- und Kunstpflege beginnt mit der weiterführenden Planung. Inzwischen besteht die Hoffnung, dass diesmal auch zusätzlich erhebliche landeskirchliche Zuschüsse bewilligt werden könnten. Verbliebene Spendenmittel werden einer zweckgebundenen Rücklage für die Weiterführung der begonnenen Maßnahme zugeführt. In der Zwischenzeit können wir einen immerhin gereinigten, wenn auch nicht neu angestrichenen Turm betrachten.
Allen Beteiligten ist letztlich am Wohl unseres Kirchturms gelegen, auch wenn die Wege dorthin holprig sind. Weiter führen die Verantwortlichen intensive Gespräche, um einen vertretbaren Kompromiss zu finden, der sowohl den mittelfristigen Schutz des Turms als auch eine zukünftige, dem Denkmalschutz entsprechende dauerhafte Lösung für das gesamte Kirchengebäude umfasst.